Oliver Koletzki präsentiert begeistert sein neues Album „12“.
Oliver Koletzki über „12“: Zwischen Klubsound, Emotion und Neuanfang
Mit seinem zwölften Studioalbum „12“ meldet sichOliver Koletzkieindrucksvoll zurück – und zeigt einmal mehr, warum er zu den prägenden Figuren der elektronischen Musikszene gehört. Im Gespräch mit 106.8 pure fm Reporter Matthias Kayales spricht der DJ, Produzent und Labelchef vonStil vor Talent über Weiterentwicklung, kreative Prozesse und die Rolle von Musik als persönlichen Rückzugsort.
Zwischen Weiterentwicklung und Selbsttreue
Für Koletzki ist Stillstand keine Option. „Es geht immer ein bisschen weiter nach vorne“, sagt er über seinen künstlerischen Ansatz. Dabei bewegt er sich bewusst im Spannungsfeld zwischen Konstanz und Veränderung: seinem Sound treu bleiben – und gleichzeitig mit der Zeit gehen.
Sein neues Album spiegelt genau diese Haltung wider. Geprägt von Einflüssen aus Indie Dance, Klubkultur und persönlichen Emotionen, vereint „12“ unterschiedliche Facetten elektronischer Musik. Neben tanzbaren Tracks finden sich auch ruhigere, melancholische Stücke.
Besonders persönlich wird Koletzki, wenn er über seine Motivation spricht. Musik sei für ihn weit mehr als nur ein Beruf: „Das ist für mich wie Therapie“, erklärt er.
Schon in jungen Jahren habe ihm Musik geholfen, schwierige Erfahrungen – etwa Mobbing in der Schule – zu verarbeiten. Sein Studio sei bis heute ein „Safe Space“, ein Ort, an dem er Gefühle kanalisieren und zur Ruhe kommen kann. „Ich sitze da und mir geht es einfach gut“, sagt er. Diese emotionale Verbindung erklärt auch seinen enormen Output: Zwölf Alben in einer Szene, in der das eher die Ausnahme ist.
Vielschichtig, aber klar erkennbar
Stilistisch bleibt Koletzki schwer in eine Schublade zu stecken. Zwar verortet er „12“ grob im Indie-Dance-Bereich, betont aber die Vielfalt seiner Musik. Von poppigeren Tracks über Downbeat bis hin zu Hip-Hop-Einflüssen ist alles dabei.
Eine besondere Rolle spielt dabei die Künstlerin Frida Darko, die auf dem Album nicht nur musikalisch mitwirkt, sondern sich auch überraschend im Sprechgesang ausprobiert.
Trotz dieser Vielfalt gibt es einen klaren roten Faden: „Mein Sound soll der rote Faden sein“, so Koletzki. Das Album sei insgesamt stimmig, cluborientiert und vor allem tanzbar.
Weniger Features, mehr Persönlichkeit
Im Gegensatz zu früheren Releases setzt Koletzki auf „12“ stärker auf sich selbst. Zehn der zwölf Tracks stammen ausschließlich von ihm, nur zwei sind Kollaborationen.
Das Ergebnis: ein sehr persönliches Album, das den Künstler in seiner puren Form zeigt. „Man bekommt Oliver Koletzki pur“, sagt er selbst.
Seine Musik entsteht selten nach Plan. Vielmehr lässt sich Koletzki von Momenten treiben: von Reisen, Stimmungen und Erlebnissen.
Ein wichtiger Einfluss für das neue Album war unter anderem ein längerer Aufenthalt in Kapstadt. Dort arbeitete er teilweise bis zu 16 Stunden täglich im Studio – mit entsprechend hoher kreativer Energie. Manche Tracks entstanden so innerhalb weniger Tage.
Doch auch Emotionen spielen eine zentrale Rolle: „Wenn ich einen traurigen Tag habe, mache ich ein trauriges Lied.“ Ebenso fließen Beziehungen und persönliche Erfahrungen immer wieder in seine Musik ein – ein typisches Merkmal vieler Künstler, wie er selbst sagt.
Trotz früherer kommerzieller Erfolge steht für Koletzki eines im Vordergrund: Authentizität. Musik müsse ihm selbst gefallen, bevor sie veröffentlicht wird.
Den Druck, den nächsten großen Hit zu produzieren, spürt er zwar – lässt sich davon aber nicht leiten. „Ich mache keine Musik, nur um Fame oder Likes zu bekommen“, betont er. Genau das unterscheide ihn von vielen anderen Produzenten.
Berliner Klubkultur im Wandel
Als langjähriger Wahl-Berliner hat Koletzki die Entwicklung der Szene hautnah miterlebt. Seit seinem Umzug im Jahr 2001 habe sich vieles verändert: von den wilden Anfangsjahren über den internationalen Hype bis hin zu den Einschnitten durch die Pandemie.
Klubs wie Berghain oder Watergate stehen exemplarisch für diese Entwicklung. Während die Klubkultur lange boomte, kämpft sie seit Corona mit strukturellen Herausforderungen.
Koletzki kritisiert dabei auch die ungleiche Förderung im Vergleich zu klassischen Kulturinstitutionen: „Da herrscht ein Ungleichgewicht.“
Trotz seiner langen Karriere versteht Koletzki „12“ nicht als Rückblick, sondern als Startpunkt für ein neues Kapitel. Der Albumtitel selbst entstand eher zufällig – nachträglich stellte sich heraus, dass es bereits sein zwölftes Werk ist.
Für ihn markiert das Album den Beginn einer neuen Phase: „Jetzt kommen die nächsten zehn.“
Eines bleibt dabei sicher: Oliver Koletzki wird sich weiterhin treiben lassen – von Emotionen, Eindrücken und der ungebrochenen Leidenschaft für Musik.
Humans Musik veröffentlichen mit der „2 Phones On“ EP ihr Debüt auf Diynamic und präsentieren einen atmosphärischen, groovebetonten Sound zwischen Indie Dance und Tech House. Das Release verbindet emotionale Tiefe mit klarer Klub-Energie und unterstreicht ihren internationalen Anspruch.
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