Berlin

Politik ringt um Zukunft der Berliner Klubkultur

today30. Januar 2026 867 386 5

Hintergrund
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Klubkultur unter Druck: Politik und Szene fordern klare Weichenstellungen vom Senat

Berlin lebt von seiner Nachtkultur – doch ihre Zukunft ist alles andere als selbstverständlich. Beim Politischen Forum „Verantwortung für die Nacht“ am Mittwochabend im Klub Ritter Butzke diskutierten Vertreter:innen aus Politik und Klubszene darüber, wie die Klubkultur in der Hauptstadt langfristig gesichert werden kann. Im Mittelpunkt stand dabei der Austausch zwischen vier Mitgliedern des Berliner Abgeordnetenhauses und Marcel Weber, Vorstand der Clubcommission Berlin.

Die Clubcommission fordert vom Berliner Senat vor allem ein klares politisches Bekenntnis. „Wir erwarten vom Senat ein klares Bekenntnis zur Klubkultur und rechtliche Rahmenbedingungen, damit diese Klubkultur erhalten bleiben kann“, sagte Weber im Gespräch mit dem Berliner Radiosender 106.8 pure fm.

Auch aus der Politik kamen deutliche Signale. Tamara Lüdtke, MdA (SPD) betonte die Bedeutung der Klubs für die Identität der Stadt: „Der Senat muss den politischen Willen zeigen, dass Klubstandorte eine Priorität für Berlin haben – weil sie uns als Stadt ausmachen und Inbegriff unserer kulturellen Vielfalt sind.“ Gleichzeitig warnte sie vor einem Kipppunkt:

Tamara Lüdtke, MdA (SPD)
Tamara Lüdtke, MdA (SPD) © Foto: Jan Schirrholz

„Es droht ein Klubsterben. Wir sind noch nicht darüber, aber wir müssen jetzt handeln.“

Für die CDU sieht Dennis Haustein, MdA vor allem Handlungsbedarf bei landeseigenen Flächen.

Dennis Haustein, MdA (CDU)
Dennis Haustein, MdA (CDU) © Foto: Jan Schirrholz

„Wir müssen diese Hängepartien beenden und dort, wo Klubs auf öffentlichen Flächen sitzen, langfristige Perspektiven ermöglichen“

Sagte der CDU-Politiker 106.8 pure fm mit Blick auf Orte wie die Alte Münze oder den Standort YAAM.

Deutlich kritischer äußerte sich Niklas Schenker, MdA (Die Linke). Er verwies auf den wachsenden Verwertungsdruck durch Investoren und steigende Mieten:

Niklas Schenker, MdA (Linke)
Niklas Schenker, MdA (Linke) © Foto: Jan Schirrholz

„Wir brauchen eine planungsrechtliche Sicherung und deutlich mehr Förderung für Klubs. Es kann nicht sein, dass für Opernhäuser hunderte Euro pro Einwohner ausgegeben werden, während Klubs nur mit wenigen Cent auskommen müssen.“

Auch Werner Graf, MdA (B’90/Die Grünen) sieht dringenden Handlungsbedarf.

Werner Graf, MdA (B'90/Grüne)
Werner Graf, MdA (B’90/Grüne) © Foto: Jan Schirrholz

„Die Grundsteuer darf für Klubs nicht explodieren. Berlin lebt von seinen Klubs, aber sie werden bislang kaum gefördert – gerade Orte, an denen neue Künstler:innen und DJs aufgebaut werden“

Zudem plädierte der Grünenpolitiker dafür, leerstehende Büro- und Gewerbeflächen stärker für Klubkultur nutzbar zu machen.

Die Debatte um ein mögliches Klubsterben wurde dabei unterschiedlich bewertet. Während Politiker:innen vor einer dramatischen Entwicklung warnten, ordnete Clubcommission-Vorstand Marcel Weber die Lage differenzierter ein:

Marcel Weber, Vorstand der Clubcommission Berlin
Marcel Weber, Vorstand der Clubcommission Berlin © Foto: Jan Schirrholz

„Klubkultur ist immer im Wandel. Der Wandel ist gerade größer, aber es entstehen auch neue, sehr motivierte Kollektive. Diese Strukturen müssen wir unterstützen und ihnen Räume geben.“

Unstrittig war hingegen die wirtschaftliche Bedeutung der Klubkultur. Weber verwies auf aktuelle Zahlen:

„Klubkultur ist ein klarer Wirtschaftsfaktor. Jährlich fließen rund 1,5 Milliarden Euro durch den Klubtourismus nach Berlin – hinzu kommen weitere 2,8 Milliarden Euro durch Menschen, die wegen der kulturellen Attraktivität dauerhaft in die Stadt ziehen.“

Eine neue Studie solle diese Bedeutung bald erneut belegen.

Das Politische Forum bildete den Abschluss der ganztägigen Konferenz „Club & Raum – Chancen durch clubkulturelle Standortentwicklung“. Die Ergebnisse sollen nun in konkrete politische Maßnahmen einfließen. Klar wurde: Ohne verbindliche Planung, verlässliche Förderung und neue Flächen droht Berlins Nachtkultur weiter unter Druck zu geraten – mit Folgen weit über den Klubbetrieb hinaus.

Geschrieben von: MK

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