Nach gescheiterten Verhandlungen droht mehreren Klubs und Kulturorten die kurzfristige Räumung
Auf dem RAW-Gelände in Friedrichshain spitzt sich die Lage für mehrere Klubs und Kulturorte erneut zu. Nach gescheiterten Verhandlungen drohen unter anderem dem Klub Cassiopeia sowie weiteren Einrichtungen im sogenannten „soziokulturellen L“ kurzfristige Konsequenzen bis hin zur möglichen Räumung. Die Clubcommission Berlin reagiert mit deutlicher Kritik und warnt vor dem Verlust gewachsener Klub- und Kulturräume.
Lange verhandelt – jetzt droht der Bruch
Seit Jahren wird über die Zukunft des RAW-Gelände diskutiert. Das Bebauungsplanverfahren läuft bereits seit 2019, eine grundlegende Verständigung zwischen Eigentümerseite, Bezirk und Land Berlin schien zwischenzeitlich erreicht: Das Areal soll sich städtebaulich weiterentwickeln und zugleich seine etablierten Kulturorte behalten.
Nach Einschätzung der Clubcommission galt dieses Ziel als politischer und struktureller Konsens – umgesetzt wurde es bislang jedoch nicht. Nun ist die Situation erneut eskaliert. Mehrere Betriebe berichten, dass sie seit Jahresbeginn ohne verlässliche langfristige Perspektive arbeiten. Neben dem Cassiopeia sind auch der Club Crack Bellmer, der Weißer Hase sowie die Bar Zum schmutzigen Hobby betroffen.
„Ein vereinbartes Ziel droht zu scheitern“
Für die Clubcommission ist klar: Stadtentwicklung und Klubkultur dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Vielmehr brauche es Modelle, die beides ermöglichen – Entwicklung des Areals und den Erhalt der gewachsenen kulturellen Struktur.
Marcel Weber, Vorstandsvorsitzender der Clubcommission Berlin, betont:
„Wir glauben weiter daran, dass Entwicklung und Clubkultur zusammengehen. Das ist kein Wunschdenken, das war vereinbart. Umso unverständlicher ist, dass ein Ziel, hinter dem alle standen, jetzt zu scheitern droht. Berlin kann das besser.“
Auch die Pressesprecherin der Clubcommission, Emiko Gejic, fordert eine Rückkehr zu den ursprünglich abgestimmten Lösungen:
„Die Kulturorte auf dem RAW machen diese Stadt mit aus. Wir erwarten von allen Beteiligten, dass sie zu dem zurückkehren, worauf man sich längst verständigt hat.“
Eigentumsfragen und politische Verantwortung
Nach Angaben der Clubcommission habe sich die Eigentümerseite aus laufenden Abstimmungen zurückgezogen und fordere nun teilweise kurzfristige Räumungen. Gleichzeitig wird Politik und Verwaltung vorgeworfen, über Jahre keine tragfähige Grundlage für eine langfristige Sicherung der Kulturflächen geschaffen zu haben.
Im Zentrum der bisherigen Überlegungen stand ein Modell, das den Kulturorten über eine landeseigene, verlässliche Generalmieterin eine langfristige Perspektive ermöglichen sollte. Diese Lösung gilt weiterhin als möglich, wurde bislang jedoch nicht umgesetzt.
Trotz der aktuellen Zuspitzung sieht die Clubcommission weiterhin eine Chance im Prozess. Das RAW-Gelände könne ein Beispiel dafür werden, wie kooperative Stadtentwicklung in Berlin gelingen kann – wenn Eigentümer, Politik und Kulturszene gemeinsam handeln.
Statt weiterer Konflikte brauche es jetzt einen klaren politischen Willen, das bereits formulierte Ziel umzusetzen: ein sich entwickelndes Areal, das seine gewachsene Klub- und Kulturlandschaft nicht verliert, sondern integriert.
Für die Berliner Klubszene bleibt das RAW damit ein entscheidender Prüfstein – und eine offene Frage, ob der oft beschworene Ausgleich zwischen Stadtentwicklung und Kultur tatsächlich funktioniert.
„RAW FÜR ALLE“: Aktion setzt Zeichen für Klubkultur und Freiräume am Ostkreuz
Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen auf dem RAW-Gelände ist zudem für diesen Freitag von 18 bis 21:45 Uhr eine öffentliche Aktion unter dem Motto „RAW FÜR ALLE – Clubkultur erhalten, Freiräume schützen“ angekündigt. Die ursprünglich als Geburtstagsrave zum 11-jährigen Bestehen des Klubs Weißer Hase geplante Veranstaltung erhält damit eine zusätzliche politische Dimension. Geplant ist ein gemeinsamer Start am Ostkreuz, gefolgt von einer anschließenden Feier im Club. Die Initiative versteht sich als deutliches Zeichen für den Erhalt von Klubkultur und urbanen Freiräumen im Umfeld des RAW-Geländes.
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